Yoshi’s Woolly World Test

Es ist schon teilweise verrückt mit Nintendos Marken. Mal wartet man Jahre auf einen Nachfolger seines Lieblingsspiels, ein andermal geht es Schlag auf Schlag. Ein wahres Auf-und-ab haben auch Yoshi-Fans jetzt hinter sich, denn nach dem Erscheinen von Yoshi´s Island DS im Jahre 2006 lag die Marke ungenutzt brach, bis 2014 Yoshi´s New Island die Reihe auf dem Nintendo 3DS fortgesetzt hat. Doch dieses Mal brauchten sich Dino-Freunde nicht lange gedulden, schon ein Jahr später feiert Yoshi in Yoshi´s Woolly World sein Wii U-Debüt. Wir haben uns Good-Feels dritten Nintendo-Hüpfer einmal genauer angeschaut und verraten euch, was euch in dem wolligen Spiel erwartet.screenshot_yoshis_woolly_world_24

Massenentführung als Storymotiv
Kamek ist schon ein besonders schlimmer Finger. Nachdem er Baby Mario und Baby Luigi kürzlich erst zum zweiten Mal entführt hat, haben diesmal die Yoshis selbst mit einem Entführungsproblem zu kämpfen. Kamek hat nämlich nahezu alle Yoshis in Wollknäuel zerlegt und in einem großen Sack abtransportiert. Nur der grüne und der rote Yoshi konnten dem mächtigen Zauber des Magiers in blau entgehen so lastet die Aufgabe, dem Yoshi Clan wieder zur Freiheit zu verhelfen, auf den Schultern zweier junger Dinosaurier. Selbstverständlich zögern die beiden nicht, sondern stürzen sich umgehend ins Abenteuer.

screenshot_yoshis_woolly_world_23Spielen nahezu ohne Unterbrechungen
Die Geschichte wird zu Beginn des Spiels in einem in Spielgrafik gehaltenen Introvideo erzählt, danach übernimmt der Spieler die Kontrolle über den grünen Yoshi und wird fortan bis zum Ende des Spiels nicht mehr von längeren Story-Sequenzen gestört. Einzig sekundenschnell ablaufende Level- und Welt-Freischaltungen und kurze Kommentare Kameks vor Endgegnerkämpfen unterbrechen im weiteren Verlauf noch das Spielvergnügen. In Sachen Ladezeiten ist Woolly World zwar nicht vorbildlich und benötigt einige Sekunden um ein Level zu laden, immerhin geht es aber merklich schneller als bei Donkey Kong und es gibt innerhalb der Levels, auch nach einem Tod keinerlei spürbare Ladepausen (mit Ausnahme eines Todes während eines Bosskampfes). Das eigentliche Gameplay sollte allen Kennern der Yoshi´s Island-Serie wohlbekannt sein. In sechs Welten zu je acht Levels, zuzüglich eines Geheimlevels je Welt, muss Yoshi seine große Spürnase einsetzen, um zahlreiche Sammelgegenstände aufzulesen und sich nebenbei als Sprung-Akrobat betätigen.

Bewegungssteuerung nur für Wii-Remote-Nutzerscreenshot_yoshis_woolly_world_21
Yoshi bringt sein gewohntes Bewegungs-Repertoire mit sich. Neben Springen und Rennen beherrscht Yoshi einen Flatterflug, mit der er sich, sofern der Spieler ein gutes Gespür für Timing beweist, beliebig lange in der Luft halten kann. Mit seiner Zunge kann Yoshi Gegner fressen, sofern diese aus Stoff gehäkelt sind und auf Knopfdruck in Wollkugeln. Diese Wollkugeln ersetzen die aus den vorherigen Yoshi-Spielen bekannten Eier, können aber im Wesentlichen genauso verwendet werden. Yoshi kann also seine Wollkugeln auf Knopfdruck werfen. Unverständlich ist allerdings, wieso auf dem GamePad die Wurfrichtung nur über einen automatisch rotierenden Zeiger bestimmt werden kann. Spielt man mit der quer gehaltenen Wii-Remote, kann man auch mithilfe des Neigungssensors zielen, eine Option, die sich schon in Yoshi´s New Island als äußerst nützlich erwiesen hat. Aus Komfortgründen ist für Einzelspieler im Ergebnis leider dennoch die GamePad-Steuerung zu empfehlen, da das größere Steuerkreuz und die angenehmere Button-Position den Nachteil der fehlenden Bewegungssteuerung ausgleichen. Wird das Spiel bei ausgeschaltetem GamePad mit einem anderen Controller gespielt, so kommt es merkwürdigerweise zu regelmäßigen massiven Framerate-Einbrüchen. Dieser Fehler wurde leider auch mit dem Update auf Version 1.1.0. bislang leider nicht behoben, sodass Energiesparer dennoch lieber von dieser Methode absehen sollten.

Energieherzen statt Babygeschreiscreenshot_yoshis_woolly_world_17
Doch auch wenn die Spielmechanik im Wesentlichen den Vorgängern entspricht, hat Good-Feel dennoch einige Feinheiten geändert. Sofort fällt auf, dass Yoshi kein Baby mehr auf dem Rücken trägt. Dadurch entfällt auch das penetrante Geschrei, sobald Yoshi von einem Gegner getroffen wird. Im Gegenzug verfügt Yoshi nun über eine limitierte Energieleiste mit einer Maximalkapazität von 20 Herzen. Wird Yoshi von einem Gegner getroffen, so verliert er stets fünf Herzen, einzig wenn er nur noch fünf Herzen besitzt wird der Schaden auf vier Herzen limitiert. In Yoshi´s Woolly World hat man seine Lebensenergie also bedeutend schneller aufgebraucht als in den Island-Spielen, in denen man, wenn man sich halbwegs geschickt beim Einfangen von Baby Mario verhält, im Grunde genommen beliebig oft treffen lassen kann. Im Gegenzug allerdings ist es nicht mehr notwendig, die Level mit voller Lebensenergie abzuschließen, wenn man alle Level spielen möchte. Das Spiel speichert zwar, ob man es schafft, ein Level mit voller Lebensenergie abzuschließen, schaltet hierfür aber nichts weiter frei als ein Stern für jedes Level, in dem man alles gesammelt und zudem einmal mit voller Lebensenergie das Levelende erreicht hat.

Entspannte Sammeleiscreenshot_yoshis_woolly_world_09
Wie schon das originale Yoshi’s Island, bietet auch Yoshi´s Woolly World allerlei, mal mehr, mal weniger gut versteckte Sammelgegenstände. Neben fünf Blumen, enthält jeder Level zusätzlich noch fünf der von Kamek verstreuten Wollknäuel sowie 20 Stempelperlen, die sich erst nach Einsammeln der entsprechenden Perle als solche offenbaren und das Pendant zu den roten Münzen aus dem Original darstellen. Während man für das Sammeln aller Blumen innerhalb einer Welt ein zusätzliches Extra-Level freispielt, wird man für das Zusammentragen aller fünf Wollknäuel mit einem neuen Yoshi-Design pro Level belohnt. Wer über amiibo-Figuren verfügbt, kann diese einsetzen um nochmals zusätzliche Yoshi-Designs im Look der jeweiligen Figur freizuschalten. Die Stempelperlen zu guter Letzt schalten durch Sammeln einer gewissen Anzahl unterschiedliche Miiverse-Stempel frei. Besonderheit in Sachen Sammelei ist, dass man nicht mehr, wie in den ersten beiden Yoshi´s Island-Spielen, alle Sammelgegenstände in einem Durchlauf sammeln muss. Mehr noch, anders als in Yoshi´s New Island muss man nicht einmal alle Sammelgegenstände eines Typs in einem Durchlauf sammeln, stattdessen speichert das Spiel jedes einzelne Item ab und man kann grundsätzlich für jeden Gegenstand einen einzelnen Durchgang durch das Level machen. Dadurch wird natürlich der Schwierigkeitsgrad in gewisser Weise verringert, auf der anderen Seite ist es in Yoshi´s Woolly World bisweilen auch deutlich schwieriger alle Gegenstände auf einmal einzusammeln.

Leveldesign voller Überraschungenscreenshot_yoshis_woolly_world_03
Nachdem wir nun Spielmechanik und Sammelgegenstände ausgiebig besprochen haben, kommen wir zum Herzstück eines jeden Sammel-Jump & Runs, dem Leveldesign. Hier hat sich Good-Feel als äußerst kreativ erwiesen und Yoshi´s Woolly World strotzt nur so vor Abwechslung und Ideenreichtum. Nahezu nie kommt es vor, dass man zwei Level am Stück spielt, die sich spielerisch stark ähneln, wenn es dennoch einmal vorkommt, wurde zumindest optisch und akustisch ein deutlich anderer Ton angeschlagen. Auch wenn das sammeln stets im Vordergrund steht, gibt es sehr unterschiedliche Leveltypen in Yoshi´s Woolly World. Neben den üblichen ruhigen Sammellevels gibt es hektische Verfolgungslevels, knifflige Rätsellevels oder aber Level, die mit einer von Yoshis Verwandlungen aufwarten können. Während Yoshis Verwandlungen in Yoshi´s Island noch eine oft eher unangenehme Erfahrung darstellten, hat man bei Yoshi´s Woolly World ganze Arbeit geleistet und durchweg spaßige und absolut runde Spielmechaniken um die Verwandlungen geschaffen. Egal ob man als Regenschirm vom Wind getragen wird, als Maulwurf durch den Boden gräbt oder als Flugzeug auf seine Gegner einschießt, Spaß ist hier garantiert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Verwandlungsabschnitte in seperaten Räumen eines Levels stattfinden und oftmals ohnehin nur optional sind. Auch die zwölf Endgegner machen eine Menge Spaß, allerdings muss man kritisch anmerken, dass die Endgegner nach der Hälfte einer jeden Welt recycelt werden. Zwar spielen sich die beiden Zwischen-Endgegner jedes mal verschieden, man muss allerdings mit beiden jeweils drei mal vorlieb nehmen, ähnlich wie Kamek in Yoshi´s New Island sechs mal auf verschiedene Weise bekämpft werden musste.

Flexibler Schwierigkeitsgrad nach Spieler-Wunschscreenshot_yoshis_woolly_world_05
Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist etwas niedriger als in den Island-Spielen, in der Spitze sogar merklich niedriger, ohne den Spieler aber zu unterfordern. Zu jeder Zeit kann der Spieler durch die Suche nach den Sammelgegenständen die Herausforderung erhöhen, Anfänger haben im Gegenzug die Möglichkeit, im Entspannt-Modus den Schwierigkeitsgrad zu senken, indem sie Yoshi mit Flügeln versehen. Wem das noch nicht reicht, der kann sich im Koop-Modus von einem Freund Unterstützung holen, was bei Levels, die nicht automatisch scrollen, eine deutliche Erleichterung darstellen kann oder durch Verwendung eines Woll-Yoshi-amiibos ein Yoshi-Ebenbild erschaffen, welches jede Bewegung des Spielers nachahmt. In jedem Fall verzichtet Yoshi´s Woolly World komplett auf Leben. Verendet Yoshi an einer Herausforderung, so startet er am letzten Zwischenspeicher neu so oft er möchte. Auch einen aufdringlichen Super Guide müssen Spieler nicht befürchten, einzig ein dezenter Hinweis, dass man die Möglichkeit hat, das Spiel im Entspannt-Modus fortzusetzen, wird nach wiederholten Toden kurz angezeigt, kann aber achtlos weggedrückt werden, ohne Gefahr zu laufen, den Entspannt-Modus versehentlich auszuwählen. Zu guter Letzt kann man sich Trickanstecker im Tausch gegen in den Levels verstreute Edelsteine kaufen. Diese Trickanstecker machen Yoshi beispielsweise schneller oder unverwundbar, stellen dem Spieler Schnuffel zur Seite oder machen Geheimnisse sichtbar. Etwas schade: Spieler, die keine Spielerleichterung suchen, wissen mit den Edelsteinen leider sonst nichts anzufangen. Kirby und das magische Garn bot dahingehend zumindest einige Minispiele und Ähnliches, welche nur mit den Edelsteinen erkauft werden konnten.

Ein Fest für Auge und Ohrscreenshot_yoshis_woolly_world_27
Neben dem Ideenreichtum glänzt das Leveldesign auch in Sachen Item-Verstecke, die eine gelungene Mischung aus geheimen Orten und schwierig erreichbaren, aber von vorneherein sichtbaren Verstecken darstellen. Einzig die große Zahl unsichtbarer Wolken, die erst berührt werden müssen um sichtbar zu werden, kann etwas nervig werden; zum Glück wird dieses Element in der zweiten Spielhälfte bedeutend sparsamer eingesetzt. Neben der spielerischen Detailverliebtheit haben sich bei Yoshi´s Woolly World auch die Grafik-Designer nach Herzenslust austoben können. Befindet sich Yoshi in einem Geisterhaus, schlottert er ganz herzerwärmend, hat man alle Aufgaben eines Levels absolviert, kann seine überschwängliche Freude anstecken und die vielen feinen optischen Spielereien, welche die Entwickler sich in Sachen Garn erlaubt haben, stehen im extremen Kontrast zur sparsamen Präsentation in Yoshi´s Island DS und Yoshi´s New Island. Obgleich Kirby und das magische Garn schon auf einen ähnliche Stoff-Look zurückgegriffen hat, ist die Präsentation in Yoshi´s Woolly World stets frisch und lebendig. Die Musik kann zwar nicht ganz mit dem originalen Yoshi´s Island mithalten, ist aber gleichzeitig den eigenartigen Dudelsounds der Handheld-Ableger um Längen voraus.

Fazit
Yoshi´s Woolly World ist ein hervorragender Nachfolger der Yoshi´s Island-Serie, der die Stärken der Reihe gekonnt fortsetzt, gleichzeitig aber auch die Schwächen der Handheld-Ableger insbesondere in Sachen Präsentation ausbügelt. Damit reiht sich Yoshi´s Woolly World mühelos in die Riege der Spitzen-Hüpfspiele auf der Wii U ein. 2D-Jump & Run-Fans können sich darüber freuen, mit New Super Mario Bros. U, Donkey Kong Country Tropical Freeze und nun Yoshi´s Woolly World einen herausragenden Vertreter aller wesentlicher Grundrichtungen des Genres auf der Wii U vorzufinden – mittlerweile ist die Wii U wohl die Konsole mit dem, jedenfalls auf Spitzenspiele beschränkt, besten Line-Up an 2D Jump & Runs. Jeder, der Yoshi´s Island oder Sammel-Jump & Runs im Allgemeinen etwas abgewinnen kann, sollte sich Yoshi´s Woolly World auf jeden Fall alsbald zulegen, besonders, zumal der Budget-Preis von etwa 45€ in Anbetracht von Umfang und Designqualität des Spiels schon bemerkenswert ist.
Toll
  • abwechslungsreiches Leveldesign
  • gelungene Itemverstecke
  • flexibler Schwierigkeitsgrad
  • tolle Geheimlevel
  • herzerwärmend niedliche Optik
  • enorme Liebe zum Detail – spielerisch wie optisch
  • spaßiger Kooperationsmodus
  • hoher Umfang zum Budget-Preis
  • spaßige Transformationen
Naja
  • Laufgeschwindigkeit etwas niedrig
  • zu viele unsichtbare Wolken
  • in der Spitze leichter als die Island-Spiele
  • Endgegner-Recycling
  • Bug bei ausgeschaltetem GamePad
9
Großartig
Verfasst von
Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.

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