Pro Evolution Soccer 2017 Test

Mit Pro Evolution Soccer 2006 stand die Fußballsimulation aus dem Hause Konami schon einmal auf dem Genre-Thron – alle folgenden Titel der Reihe mussten sich an diesem Klassiker messen und konnten den hohen Erwartungen der langjährigen Fans niemals so ganz gerecht werden. „Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war.“ (Fredi Bobic) und künftig wird man damit auch keine Zeit mehr verschwenden müssen. Denn Pro Evolution Soccer 2017 legt die Messlatte so weit nach oben, dass sich alle künftigen Fußballsimulationen am diesjährigen Ableger messen müssen. Warum wir Pro Evolution Soccer 2017 so gelungen finden, erfahrt ihr in unserem Test!

Es mag banal klingen, aber die Geschwindigkeit des Spielgeschehens ist der Schlüssel zum Erfolg von Pro Evolution Soccer 2017. Dabei geht es nicht darum, dass man das Tempo des Spiels verringert hat – vielmehr haben die Entwickler die perfekte Balance für die jeweiligen, unterschiedlichen Bereiche gefunden: Wie schnell bewegen sich die Spieler im Sprint? Wie lange dauert es, bis mein Spieler einen Ball verarbeitet? Wie lange brauchen meine KI-Mitspieler, um nach Ballgewinn in die freien Räume zu starten? Wie schnell läuft der Ball bei Pässen, Schüssen und Flanken über das Spielfeld? Die Fragenliste könnte noch weiter aufgebläht werden, aber unterm Strich steht, dass all die einzelnen Bereiche funktionieren und zudem noch perfekt aufeinander abgestimmt sind. Von der ersten Spielminute an liegt der Erfolg in den Händen des Spielers, denn durch die ansatzlose Kontrolle über das Geschehen auf dem Spielfeld lässt sich die eigene Vorstellung / Philosophie von Fußball unmittelbar auf den Bildschirm übertragen. Besonders spannend wird es, wenn zwei unterschiedliche Philosophen im Mehrspielermodus aufeinandertreffen und das Herausspielen einer Torchance zur taktischen Herausforderung wird. Häufig verlagern sich solche Spiele ins Mittelfeld, immer darauf hoffend, dass der Gegner die entscheidende Lücke übersieht, um kurz vor Schluss doch noch das entscheidende Tor zu erzielen. Erfreulich auch, dass die KI-Gegner nun zu einer größeren Herausforderung geworden. Generell steht außer Frage: Pro Evolution Soccer 2017 ist eine Fußballsimulation und kein wilder Arcade-Kick. Schnelles und unüberlegtes „Bälle-Vorschlagen“ ist in den seltensten Fällen, und dann auch nur, weil der gegnerische Spieler patzt, von Erfolg gekrönt. Das soll nicht heißen, dass Einsteiger einen weiten Bogen um PES 2017 machen sollten, denn durch die unmittelbare Kontrolle über die eigene Mannschaft wirkt das Spiel so intuitiv, dass auch Neulingen der Einstieg problemlos gelingen sollte.

https://youtu.be/6B6r91GAfR0

Zahlreiche neue Optionen im Taktikmenü ermöglichen es außerdem, sein eigenes Spiel noch weiter zu verfeinern. Per Shortcut lassen sich vor dem Spiel vier verschiedene Taktik-Schnelleinstellungen festlegen (beispielsweise frühes Pressing, Tiki-Taka, tiefe Abwehreihe) und je nach Spielsituation schnell abrufen. Insgesamt stehen dem Spieler nun deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich durch übersichtlichere Untermenüs nun auch schneller finden lassen. In engen Spielen können eben jene taktischen Ausrichtungen zum spielentscheidenden Faktor werden. Und wie häufig habe ich mich während der vielen Spielen geärgert, dass ich nicht entsprechend auf Umstellungen meiner Gegner reagiert habe und plötzlich den sicher geglaubten Sieg noch aus den Händen geben musste. Geärgert habe ich mich aber nicht über das Spiel weil ich aufgrund fehlenden Zugriffs auf meine Defensive einen Gegentreffer kassiert habe, sondern weil ich, ich als Spieler, Fehler zugelassen habe. Ich bin nicht sauer auf Pro Evolution Soccer 2017, sondern auf mich. Kenner der letztjährigen Ableger werden nachvollziehen können, warum gerade das eine solche Besonderheit darstellt. PES 2017 gibt mir alle Möglichkeiten, um mein Spiel umzusetzen, wenn ich scheitere, dann nicht aufgrund diffuser Gameplay-Elemente, sondern aufgrund eigener Fehler.

Bei den verschiedenen Spielmodi gibt es hingegen kaum nennenswerte Neuerungen. Immer noch stehen unterschiedliche Liga- und Pokalwettbewerbe, auch in diesem Jahr hält Konami die exklusiven Rechte an der Champions League, zur Auswahl. Auf myclub, Freundschaftsspiele, Online-Partien und klassische Trainingsmodi müssen Spieler ebenso wenig verzichten, wie auf den beliebten Meisterliga-Modus. Einzig im Bereich der Lizenzen müssen PES-Spieler, gewohntermaßen, einige Abstriche hinnehmen. „Einige“ wirkt dabei noch sehr untertrieben. Leider. MD White? Ja, Real Madrid. PM Black White? Ja, Juventus Turin. Bayern München? Nein, gibt es nicht – als deutsche Teams stehen nur Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Schalke zur Verfügung. All das ist durchaus bitter, büßt Pro Evolution Soccer 2017 dadurch doch erheblich an Authentizität ein. Gründe dafür sind unter anderem einzelne Exklusiv-Partnerschaften und monopolisierte Lizenzverteilungen. Doch wer ein bisschen Zeit in den Editor investiert, kann die Teamnamen schnell „richtigstellen“, denn die Kader / Spielernamen der „Fantasie-Teams“ stimmen und werden durch Updates auch regelmäßig auf den neusten Stand gebracht. Das jährliche „Lizenz-Drama“ sollte daher nicht als KO-Kriterium angeführt werden, denn wer etwas Editier-Arbeit investiert, wird dafür mit der schönsten und flüssigsten Fußballsimulation aller Zeiten belohnt.

Fazit
Pro Evolution Soccer 2017 hat sich in allen Bereichen verbessert. Die grafische Präsentation wirkt nun noch realistischer, der Soundtrack und die Kommentatoren liefern ein besseres Hörerlebnis und vor allem die einzelnen Gameplay-Elemente wurden enorm verbessert und aufeinander abgestimmt. In unserer Vorschau zu Pro Evolution Soccer 2017 haben wir uns bereits zu der Aussage hinreißen lassen, dass PES 2017 die beste Fußballsimulation aller Zeiten werden wird. Nach zahlreichen Stunden mit der finalen Version müssen wir den Satz ein bisschen anpassen: Pro Evolution Soccer 2017 ist die beste Fußballsimulation aller Zeiten und schrammt nur Millimeter an der Höchstwertung vorbei.
Toll
  • Gameplay enorm verbessert
  • tolle Atmosphäre
  • gute Kommentatorenleistung
  • hoher Realismusgrad
  • einsteigerfreundlich
Naja
  • "Lizenz-Drama"
9.5
Großartig
Verfasst von
Joshua ist Herausgeber und leitender Redakteur von Gaming-Universe. Neben News, Vorschau- und Testberichten liegt sein inhaltlicher Schwerpunkt vor allem bei Magazin-Artikeln und Interviews. Spielerische Lieblinge zeichnen sich vor allem durch eine tiefgründige oder emotionale Geschichte aus – wobei er ansonsten viel Zeit in Partien mit der einzig wahren Fußballsimulation investiert.

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