SteamWorld Dig: A Fistful of Dirt Test

SteamWorld Dig: A Fistful of Dirt ist Teil der SteamWorld Collection, welche ab sofort für Wii U im Handel erhältlich ist. Wir haben das Spiel in seiner 3DS-Fassung bereits mit Erscheinen im eShop getestet. Hier findet ihr noch einmal den kompletten Test.

In Zeiten von Banken- und Börsenkrisen stellt das Edelmetall Gold wahrscheinlich noch eines der wenigen Ressourcen dar, für welche sich eine finanzielle Investition auch in solch wackeligen Zeiten noch lohnt. Einst, in längst vergangenen Tagen, herrschte gar ein regelrechter Boom auf Rohdiamanten und sonstige wertvolle Erze und so gab es Dutzende selbst ernannte Goldgräber. Warum also nicht ein Videospiel über diese glorreiche Ära voller Träume und Hoffnungen kreieren? Mit dem Download-exklusiven Action-Adventure SteamWorld Dig haben sich die Entwickler von Image & Form Games genau diesem Thema angenommen. Schafft es der Titel die Abenteuerlust auch in uns zu wecken und uns zu einem waschechten Goldgräber auszubilden?

I’m a Golddigger
Roboter Rusty staunt nicht schlecht als er eines Tages von seinem alten Onkel Joe eine Einladung in seine Stadt Tumbleton erhält und von ihm gebeten wird ihm bei seinen Ausgrabungen zu helfen, weil er etwas Bahnbrechendes zu Tage gefördert habe. Trotz seines schmucken Cowboy-Huts hat Rusty nämlich keinen blassen Schimmer von Minenarbeit und dem Umgang mit einer Spitzhacke. In Tumbleton angekommen wird er gleich von einem urplötzlichen Erdrutsch erwischt und findet sich unvermittelt in der hiesigen Mine wieder. Dort erwartet ihn dann gleich der nächste Schock, denn sein Onkel scheint in der Mine seine letzte Ruhestätte gefunden zu haben. Trotz seiner Zweifel, will er ihm seinen letzten Willen aber nicht verwehren und fängt an sich durch das härteste Gestein immer weiter nach unten in die tiefsten Tiefen der Mine zu graben.

screen_steamworld-collection_02

Auf diese funkelnden Steine können Sie bauen… äh… schlagen.

Das Gameplay-Konzept von SteamWorld Dig ist innovativ wie einfach und wirkt gerade deshalb erfrischend anders. In Metroidvania-Manier grabt ihr euch mit einer Picke ausgerüstet durch die Felsen-Quadrate der Mine und erkundet ein weitläufiges Gebiet. Manche der Felsen weisen einen auffälligen Schimmer auf und geben nach ausreichender Bearbeitung eine der zahlreichen Erzsorten frei. Auf dem Touchscreen seht ihr jederzeit, wie viele Erze euer Beutel noch fassen kann und welchen Geld-Wert sie besitzen. Habt ihr euren Beutel komplett gefüllt, solltet ihr zurück an die Oberfläche kehren und der Roboter-Dame Dorothy einen Besuch abstatten. Sie betreibt ein Tauschgeschäft und wandelt eure gesammelten Erze sofort in bare Münze um. Das erarbeitete Geld könnt ihr dann wiederrum beim Stadthändler Cranky für nützliche Erweiterungen ausgeben, die z.B. die Schlagkraft eurer Picke verbessern und euch den Weg nach unten deutlich erleichtern, euren Beutel mehr Beute fassen lassen oder die Wirkdauer eurer Öllampe erhöhen. Ohne Licht seid ihr in der Mine zwar nicht völlig aufgeschmissen, ihr erkennt allerdings zumindest nicht mehr die genaue Beschaffenheit der anliegenden Steine, was durchaus fatale Folgen haben kann. In einigen Steinen schlummern nämlich bösartige Untergrund-Würmer oder fiese Stachelfallen, welche eure Lebensenergie bei Berührung senken oder gar zur Zerstörung Rustys führen. In letzterem Fall verliert ihr immer exakt die Hälfte eures angesparten Kapitals und lasst die erbeuteten Steine in einem großen Beutel am Ort des Ablebens zurück. Doch ganz so wehrlos ist unser Roboter-Schürfer dann doch nicht. Neben der Picke, welche sich praktischerweise auch als Waffe verwenden lässt, finden sich in geheimen Räumen der Mine neue Fähigkeiten, welche stark an den Kollegen Metroid erinnern. Dazu gehören unter anderem ein obligatorischer Doppelsprung mit zerstörerischen Blitzen sowie ein Faustangriff mit Auflade-Funktion.

Wer andern eine Grube gräbt…
Backtracking ist, so nervig es auch ab und zu sein mag, das A und O in SteamWorld Dig. Da die Quadrat-Steine auch als Transportelement dienen mit deren Hilfe Rusty über seinen Wandsprung wieder zurück an die Oberfläche gelangen kann, solltet ihr daher vor allem zu Beginn also genau überlegen welche Steine ihr zerstört und welche ihr besser in Ruhe lasst. Bis auf wenige Ausnahmen ist jeder zerstörte Stein unwiderruflich weg und ist erstmal ein falscher zerstört, ist eine Rückkehr oft gar nicht so leicht, zumindest bis ihr die versteckten Stadtteleporter erreicht habt. Als letzter Ausweg bleibt immer noch die Möglichkeit einer Selbstzerstörung, doch auch hier ist Vorsicht geboten, da dies wie bereits erwähnt mit einer enormen Geldeinbuße verbunden ist. Der Schwierigkeitsgrad in SteamWorld Dig ist zwar meist human, eine zu leichtsinnige Spielweise kann aber unter Umständen mit der kurzzeitigen Erhöhung des Schwierigkeitsgrads oder gar einem unumkehrbaren „Point of no Return“ bestraft werden.

screen_steamworld-collection_05

Cranky versorgt euch mit nützlichen Ausrüstungs-Upgrades.

Stimmige Westernatmosphäre
SteamWorld Dig präsentiert sich auf dem Nintendo 3DS in einer Mischung aus hübschen 2D-Sprite-Charakteren und -Objekten sowie handgezeichneten Hintergründen, welche den 3DS zwar bei weitem nicht an seine Grenzen treibt, aber dennoch dank des ansehnlichen Artstyles zu gefallen weiß. Der dezente aber äußerst atmosphärische Soundtrack lässt einen noch besser in die raue Westernatmosphäre eintauchen. Lediglich die Quantität lässt mit nicht einmal zehn Tracks ein wenig zu wünschen übrig. Wir hätten gerne mehr davon gehört.

Auch auf der Wii U macht SteamWorld Dig technisch nicht wirklich viel falsch. Grafik und Sound aus der ursprünglichen 3DS-Version wurden leicht überarbeitet und an die HD-Fähigkeiten der Wii U angepasst. Die 3DS-Sprites wurden gegen ebenso charmante hochauflösende 2D-Artworks ausgetauscht. Der Western-Soundtrack kommt aus den TV-Lautsprechern sogar noch besser zur Geltung. Sehr löblich ist auch die Lokalisierung der Texte in alle europäischen Sprachen, welche man auf dem 3DS vergeblich sucht. Weniger löblich ist hingegen das gänzliche Fehlen einer elektronischen Bedienungsanleitung, die in der 3DS-Fassung noch enthalten war. Dies ist besonders deshalb ärgerlich, weil auch im Spiel selbst nahezu nichts erklärt wird. Das GamePad selbst wird, wie bereits in vielen anderen Titeln, sehr funktional verwendet. Hier könnt ihr die Übersicht über eure Beute und eine Karte der Mine einsehen. Warum man dem Spiel Off-TV-Play verwehrt hat, bleibt uns allerdings ein Rätsel.

Fazit
SteamWorld Dig hat einiges, was man sich von innovationslosen Nachfolgern vieler größerer Titel nur wünschen kann: Eine unverbrauchte Spielidee und mit charmantem Art-Design, einen coolen Helden und eine ansprechende Spielwelt. In den sechs bis acht Stunden Spielzeit vergisst man fast, dass das Gameplay an sich eigentlich eher monoton abläuft. Durch den Handlungsverlauf, den man so vielleicht nicht erwarten würde und kleinere Rätseleinlagen, bietet der Titel genug Abwechslung um auch länger zu motivieren. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf den nächsten Ableger der SteamWorld-Reihe.
Toll
  • frisches Spielkonzept
  • erkundungsreiche Welt
  • stimmige Westernatmosphäre
  • motivierendes Upgradesystem
Naja
  • "Point of no Return"-Gefahr
  • viel zu häufiges Backtracking
  • magere Erklärungen oder Tutorials
7.5
Gut
Verfasst von
Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.

Wie gefällt dir der Artikel?

0 0