Battlefield 1 Test

Der Erste Weltkrieg war vor allem der Beginn der modernen Kriegsführung: Panzerschlachten, Schlachten in luftigen Höhen mit Flugzeugen und Luftschiffen, Gasangriffe und über 17 Millionen Toten. Die historische Bedeutung des 1. Weltkriegs ist enorm, hinterließ er doch eine in Trümmer gestürzte Weltordnung und war, aufgrund ungestillter Rachegelüste, Nährboden für nationalistische / faschistische Bewegungen, die schließlich den Zweiten Weltkrieg bedingten. „Der Erste Weltkrieg veränderte alles“, wie es Politikwissenschaftler Herfried Münkler in seinem 2013 erschienenen Der Große Krieg: Die Welt 1914 – 1918 beschreibt. Battlefield 1 thematisiert genau jenen Ersten Weltkrieg, der in Videospielen bislang nur selten im Mittelpunkt stand (an dieser Stelle sei auf Valiant Hearts: The Great War aus dem Hause Ubisoft verwiesen). Ob sich das frische Setting für einen First-Person-Shooter eignet und ob Battlefield 1 uns spielerisch überzeugen konnte, erfahrt ihr in unserem Test.

Weniger ist mehr
Seit einigen Jahren lässt sich beobachten, dass neuere Ableger des Shooter-Genres vermehrt in visionären „Zukunfts-Settings“ angesiedelt werden, in denen der Spieler Hightech-Kämpfer durch die Level flitzen lässt. Wallruns, Jet-Packs, Hightech-Waffen – ja, gar Weltraumgefechte in völliger Schwerelosigkeit. Insofern darf man das Erste Weltkriegs-Setting, für das sich DICE bei der Entwicklung von Battlefield 1 entschieden hat, durchaus als ein gewisses Risiko bezeichnen. Laserzielfernrohre besaß man damals genauso wenig, wie fernsteuerbare Drohnenbomber. Und auch die Waffen sind, der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschuldet, weniger zugänglich und schwerfälliger, als bei einem „Zukunfts-Shooter“. Und tatsächlich dauert es eine gewisse Zeit, bis man sich in Battlefield 1 mit den zur Verfügung stehenden Waffen arrangiert hat. Doch sobald man diesen Lernprozess hinter sich gebracht hat, wird man die aufgemotzten „Dauerfeuer-Laserziel-Hightech-Waffen“ nicht mehr vermissen. Generell verlangt Battlefield 1 einen enormen Lernprozess ab, bis man die unterschiedlichen Waffen, Fahrzeuge und die dahinter stehenden Mechaniken zu beherrschen beginnt. Doch mit zunehmender Spieldauer fühlt man sich nicht nur wohler, sondern wird sich auch der individuellen Fortschritte bewusst – eine äußerst motivierende Lernkurve. Auch die Singleplayer-Kampagne hilft bei diesem Prozess, sie lediglich als Tutorial für den umfangreichen Multiplayer, der zweifelsohne das Herzstück von Battlefield 1 darstellt, zu bezeichnen, wäre zwar etwas verkürzt und unfair, trifft in gewisser Weise aber eben doch zu. Die fünf unterschiedlichen Kampagnen variieren in ihrer Länge zwischen 30 und 90 Minuten und setzen jeweils einen anderen Schwerpunkt. Mal sind wir als junger Flieger vermehrt im Luftkampf unterwegs, mal begeben wir uns mit unserem Trupp auf eine Panzermission, ein anderes Mal ziehen wir auf dem Rücken unseres Pferdes durch die weiten Wüstenlandschaften. Diese Fokussierung auf einzelne Gameplay-Elemente in den jeweiligen Missionen hilft beim Verbessern der eigenen Fähigkeiten.

Die Singleplayer-Kampagne ist sicher nicht das Highlight von Battlefield 1. Die einzelnen Geschichten sind häufig zu klischeehaft dargestellt, die Charaktere bleiben meist blass – und dennoch gibt es immer wieder Momente, in denen DICE es geschafft hat, dem Spieler ein Gefühl für die historische Bedeutung, für die Wucht und für die Grausamkeiten des Ersten Weltkriegs zu vermitteln. Da fliege ich beispielsweise plötzlich eine Taube. Eine Brieftaube um genau zu sein, die Koordinaten an die Basis überbringen muss – denn nur durch eine Feuerunterstützung unserer Artillerie kann es unser Panzer noch aus dem Hinterhalt schaffen. Ich fliege die ganze Strecke zurück, durch die ich mir zuvor meinen Weg gebahnt habe. Ich sehe die angerichteten Schäden. Keine Häuser, keine Straßen, nur Ruinen – alles liegt in Schutt und Asche. Und ja, vielleicht ist auch dieser rund einminütige Flug mit der Taube  ein arg „über-inszenierter“ Moment, aber es sind diese Momente, in denen Battlefield 1 mehr ist als nur ein actiongeladenes Shooter-Feuerwerk. Momente, in denen dem Spieler die Zerstörungswut und die unzähligen Opfer des Ersten Weltkriegs auf eine besondere Art und Weise bewusst werden. Wer sich von der Sammelwut anstecken lässt, der wird die einzelnen Kampagnen sicher häufiger spielen (müssen), um alle Feldhandbücher und Kodexeinträge aufzuspüren, bzw. zu erreichen. Für viele Spieler werden die einzelnen Kampagnen aber wohl tatsächlich nur als nützliches Tutorial dienen, das sie auf die bombastischen Multiplayer-Schlachten vorbereitet.

Multiplayer-Highlight
Auch beim neusten Ableger der Battlefield-Reihe bildet der Multiplayer das Herzstück des Spiels. Kenner der Reihe werden sich über die klassischen Spielmodi, wie Rush, schnelle Action auf kleinen Karten, in denen die Angreifer Telegrafenmasten in die Luft jagen müssen, während die Verteidiger dies zu verhindern suchen, Eroberung, in dem die gesamte Battlefield-Multiplayerwucht mit Luftschiffen, Flugzeugen, Panzern, Schiffen und zahlreichen weiteren Fahrzeuge auf riesigen Karten und 64-Spieler-Schlachten präsentiert wird, Vorherrschaft, kleinere Karten und schnelle Infanterie-Kämpfe um die Flaggen-Hoheit und den klassischen Team Deathmatch-Modus freuen. Zudem liefert Battlefield 1 auch den Modus Kriegstauben, in dem Brieftauben gefunden werden müssen, um mit deren Hilfe Artillerieunterstützung anzufordern. Besonders der neue Spielmodus Operationen soll an dieser Stelle aber hervorgehoben werden. Der Mix aus Eroberung und Rush lässt sich nur als intensives und packendes Multiplayer-Erlebnis titulieren. Per Zufall schlüpft man entweder in die Angreifer- oder Verteidigerrolle. Das Angreiferteam muss zwei Flaggenpunkte pro Sektor (gleichzeitig) kontrollieren, um die Gegner auf dem Schlachtfeld weiter nach hinten zu drängen. Meist sind die Karten in fünf Sektoren mit je zwei Flaggenpunkten eingeteilt. Sind die „Team-Respawns“ aufgebraucht, haben die Angreifer noch zwei weitere Angriffsversuche, die bereits eroberten Sektoren bleiben dabei in ihrem Besitz. Gelingt es, den Verteidigern auch den letzten Sektor abzuluchsen, geht die Schlacht auf einer zweiten Karte weiter – können die Verteidiger dagegen einen Sektor halten, ist die Operation zu Ende. Spieler sollten vor einer Operation genug freie Zeit einplanen, da der Modus durchaus ein bis zwei Stunden (je nach Spielverlauf) für sich beansprucht. Neben den unterschiedlichen Spielmodi, weisen auch die Karten eine große Vielfältigkeit auf. Karten mit engen Gassen und Straßen laden zum Häuserkampf, weite Wüstenlandschaften erfreuen sich bei Scharfschützen großer Beliebtheit, Sturmtruppen jagen durch verwinkelte Wege im dichten Wald. Insgesamt sind die Karten äußerst abwechslungsreich und gut gelungen – persönliche Lieblings- und Hass-Maps werden dabei sicher variieren.

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Insgesamt bietet Battlefield 1 ein äußerst gutes Balancing der einzelnen Waffen, Fahrzeuge, Karten und auch Charakterklassen (Sturmtruppe, Mediziner, Versorger, Scharfschütze), der Spielspaß ist dabei aber natürlich auch, wie bei jedem Taktik-Shooter, von den Fähigkeiten der Teammitglieder abhängig. Das 32-köpfige Team wird dabei in einzelne Trupps mit je fünf Spielern aufgeteilt, die im Optimalfall einer gemeinsame Taktik während der Spielrunde nachgehen. Truppenanführer können dabei Sektoren / Flaggenpunkte als Ziel ausgeben; wer keinen Sprachchat nutzt, kann einfache Aufforderungen („Brauche Sanitäter“, „Brauche Munition“) per Tastendruck formulieren. Ein gut eingespielter Trupp, kann dabei den erfolgreichen Ausgang einer Partie entscheiden. Battlefield 1 nun dafür zu kritisieren, dass einzelne Sturmtruppen, die vor allem die schweren Panzer ausschalten müssen, Mediziner oder Versorger, letztere lassen sich tatsächlich nicht allzu häufig im Team finden, ihren Aufgaben nicht nachkommen, wäre unfair. Denn Battlefield 1 bietet alles um bombastische und packende Multiplayer-Schlachten zu ermöglichen. Die Serversuche läuft problemlos, Lags gibt es kaum und schwerwiegendere Bugs lassen sich auch nach zahlreichen Partien nicht feststellen. Für etwaige Unzufriedenheiten sorgen bislang höchstens die Battlepacks, Kisten, die nach Ende einer Partie zufällig unter den Teilnehmern verteilt werden. Die Freude über ein Battlepack hält sich nämlich meist in Grenzen, da sich dort hauptsächlich Waffenskins auffinden lassen – sehr häufig für Waffen, die man selbst gar nicht in seiner Ausrüstung bei sich trägt. Ebenfalls ärgerlich, dass neue Waffen – die sich mit Kriegsanleihen, die für jeden Levelaufstieg verliehen werden, kaufen lassen – nur innerhalb einer Online-Partie ausgerüstet werden können. Im Offline-Soldatenmenü lassen sich zwar die einzelnen Informationen zu den Waffen und der eigenen Statistik anschauen – seinen Soldaten kann man dort aber nicht mit Granaten, Primär- und Sekundärwaffen ausrüsten. Zudem hat man häufig das Gefühl, die „Katze im Sack“ zu kaufen – ausprobieren lassen sich die Waffen nur direkt in der Online-Partie. Eine kleine „Shooting-Ranch“ wäre hier wünschenswert gewesen, um Spielern mehr Zeit bei der Waffenauswahl zu ermöglichen.

Fazit
Lasst uns nicht auf der Singleplayer-Kampagne rumreiten, die absolut kein Reinfall ist, aber nicht als Kaufgrund ausreichen kann. Der Multiplayer ist zweifelsfrei das Herzstück von Battlefield 1 und bietet eine solch enorme Vielschichtigkeit, dass es schwer fällt, die einzelnen Spielelemente und spielerischen Möglichkeiten allumfassend darzustellen. Sicher gibt es Dinge, die in diesem Test nur gestreift oder gar nicht angesprochen wurden. Tatsächlich ist das aber unerheblich, denn die Hauptaussage kann nur lauten: Jeder, der auf der Suche nach einem mitreißenden und packenden Multiplayer-Shooter ist, der spannende Schlachten in unterschiedlichen Vehikeln in einem frischen Setting sucht, der kommt an Battlefield 1 nicht vorbei. Noch einfacher: Battlefield 1 ist ein Pflichtkauf!
Toll
  • bombastischer Multiplayer
  • tolle audiovisuelle Präsentation
  • gutes Balancing
  • motivierende Lernkurve
  • frisches Setting
Naja
  • Kampagne dient eher als Tutorial
  • Battlepacks bieten meist nur Skins
  • kleinere (seltene) Bugs im Multiplayer
  • Ausrüstung des Charakters nur im Online-Spiel möglich oder per App
9.5
Großartig
Verfasst von
Joshua ist Herausgeber und leitender Redakteur von Gaming-Universe. Neben News, Vorschau- und Testberichten liegt sein inhaltlicher Schwerpunkt vor allem bei Magazin-Artikeln und Interviews. Spielerische Lieblinge zeichnen sich vor allem durch eine tiefgründige oder emotionale Geschichte aus – wobei er ansonsten viel Zeit in Partien mit der einzig wahren Fußballsimulation investiert.

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