Shin Megami Tensei IV: Apocalypse Test

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass Atlus nach langem Hin und Her das Nintendo 3DS-Rollenspiel Shin Megami Tensei IV endlich auch in Europa veröffentlichte, wenn auch nur auf digitalem Wege über den Nintendo eShop. Kurze Zeit später steht jetzt, dank Publisher Deep Silver, der „Quasi-Nachfolger“ Shin Megami Tensei IV: Apocalypse – oder Shin Megami Tensei IV: Final, wie das Spiel in Japan betitelt ist – auch in physischer Form in den deutschen Ladenregalen. Was es mit der Formulierung „Quasi-Nachfolger“ auf sich hat und ob Shin Megami Tensei IV: Apocalypse an seinen gelungenen aber auch fordernden Vorgänger heranreicht, klären wir im folgenden GU-Test.

Rückkehr nach Neo-Tokio

Apocalypse versetzt euch zurück in das aus Shin Megami Tensei IV bekannte Tokio, welches sich dem Samurai Flynn und seinen Gefährten, aus dem mittelalterlich anmutenden Königreich Mikado stammend, auf der Jagd nach Dämonen im späteren Verlauf des Spiels erschloss. Im Gegensatz zu klassischen Nachfolgewerken spielt Apocalypse jedoch nicht unmittelbar nach dem Spielende von Shin Megami Tensei IV, sondern noch während der Haupthandlung von Teil Eins und könnte als eine Art Side-Story dessen neutralen Handlungsstrangs (Anm. der Redaktion: Shin Megami Tensei IV bot alternative Spielenden, je nachdem welche Entscheidungen man an gewissen Stellen traf) angesehen werden. Aus diesem Grund ist es mehr als ratsam diesen im Idealfall auch vorher (durch)gespielt zu haben.

Nanashi träumt davon selbst ein großer Hunter zu werden.

Während Flynn von den Überlebenden der Dämonen-Apokalypse mittlerweile als Held und Befreier Tokios gefeiert wird, schlüpft ihr in die Rolle des blutjungen Hunter-Anwärters Nanashi. Er und seine Ziehschwester Asahi träumen gemeinsam davon eines Tages in die Fußstapfen ihres Lehrmeisters Nikkari oder gar ihres großen Idols Flynn zu treten und Dämonen selbst zur Strecke bringen zu dürfen. Als den beiden ein Smartphone – dieses wird zum Anwerben und Beschwören eigener Dämonen benötigt – in die Hände fällt, beschließen sie ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und auf Dämonenjagd zu gehen. Die Freude über die neuerlangte Macht, ist jedoch nur von kurzer Dauer. Bereits auf ihrer ersten richtigen Mission zusammen mit Lehrmeister Nikkari gerät die Gruppe an eine Handvoll übermächtiger Dämonen, die nicht nur Nikkaris, sondern auch Nanashis Leben ein jähes Ende setzen. Der Tod eures Spielcharakters ist aber erst der Anfang eines langen Abenteuers. In der Unterwelt angekommen, stoßt ihr nämlich auf den mysteriösen Dämonen Dagda. Dieser verspricht euch wieder zurück in die Welt der Lebenden zu bringen, wenn ihr ihm fortan als treuer Diener zur Seite steht…

Shin Megami Tensei IV – Version 1.5

Wenig überraschend, bedient sich Shin Megami Tensei IV: Apocalypse beim Gameplay zu großen Teilen beim entsprechenden Erstlingswerk. Erneut bewegt ihr euch auf einer 2D-Weltkarte zu unterschiedlichen 3D-Arealen fort, erkundet das Terrain nach Hinweisen für das Bewältigen eurer aktuellen Mission und stoßt auf pixelartige Silhouetten, bei dessen Aufeinandertreffen der rundenbasierte Kampf gegen einen oder mehrere Dämonen beginnt. Die Dämonen lassen sich dann ganz in Pokémon-Manier für euer Team anwerben und kämpfen dann in weiteren Kämpfen für euch. Eine ausführlichere Beschreibung zum grundlegenden Kampfsystem, könnt ihr übrigens in unserem Test zu Shin Megami Tensei IV nachlesen.

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Mit eigenen mächtigen Dämonen seid ihr für jeden Kampf gewappnet.

Die Gameplay- und Design-Unterschiede in Apocalypse liegen im Detail, verbessern den Spielfluss aber in vielerlei Hinsicht. Fühlte man sich im Vorgänger spätestens mit dem Erreichen Tokios auf der unübersichtlichen Weltkarte oft ziemlich verloren, wird man vom Spiel jetzt etwas mehr an der Hand genommen. Über ein Fahnensymbol auf der Karte des Touchscreens seht ihr zudem jederzeit, in welcher Richtung sich euer nächstes Ziel befindet. Neue Quests müssen übrigens nicht mehr umständlich in einer Hunter-Bar angenommen werden, sondern werden euch automatisch in eurer Quest-Liste im Start-Menü angezeigt. Auch beim Schwierigkeitsgrad selbst macht das Spiel mehr Zugeständnisse. Einen frustrierenden Anfang mit bockschweren Kämpfen wie in Teil Eins bekommt ihr nicht geboten, sodass auch Rollenspiel-Anfänger hier gut zurechtkommen dürften. Das Partner-System wurde ebenfalls leicht modifiziert. Je nachdem, ob ihr euch lieber durch Heil- und Verstärkungszauber oder aber euch schlicht durch zusätzlich beim Gegner verursachten Schaden unterstützen lassen wollt, könnt ihr nun individuell einen der unterschiedlichen NPC-Mitstreiter vor einem Kampf auswählen. Doch das ist noch nicht alles. Auf der Oberwelt gibt euch euer momentaner Partner nun gelegentlich nützliche Tipps, ohne dabei jedoch störend zu wirken. Mittels des Jade-Dolches und eines bestimmten Partners lassen sich nach vorheriger Energie-Aufladung außerdem kleinere Rätsel lösen. Zu guter Letzt wurde auch die StreetPass-Funktion leicht überarbeitet, sodass ihr nun nicht mehr zwangsweise auf der Straße neue Hunter treffen müsst um Item-Boni sowie eine Stärkung eine euer Dämonen zu erhalten, sondern dürft dies alternativ in gewissen zeitlichen Abständen auch mittels einer Internetverbindung. Ansonsten hat sich nicht viel Grundlegendes getan. Auch in Apocalypse dürft ihr so wieder beispielsweise neue stärkere Dämonen durch die Demon Fusion erschaffen und damit gleichzeitig eurer Dämonen-Kompendium vervollständigen oder durch Freischalten von Apps mittels App Points nette permanente Zusatzfähigkeiten aktivieren.

Schöne neue Welt?
In Punkto Grafik und Sound macht Shin Megami Tensei IV: Apocalypse als konsequenter Nachfolger ebenfalls keine Quantensprünge. Ihr steuert Nanashi durch eine glaubhaft zerstörte und verwahrloste einstige Metropole mit teils noch unerwartet traumhaft schönen Arealen. Da das Spiel den selben Schauplatz wie sein Vorgänger besitzt, wurden logischerweise viele Orte recycelt, dennoch gibt es auch genug Neues zu entdecken. Das bedeutet jedoch gleichzeitig, dass auch die optisch altbackenen Kämpfe und schwach animierten 2D-Sprites – selbst für Nintendo 3DS-Verhältnisse – in Gesprächen mit unwichtigen NPCs wieder zurückgekehrt sind. Der Soundtrack ist dagegen gewohnt gut und glänzt mit vielen neuen eingängigen Stücken, ebenso wie die englische Sprachausgabe, die dem Spiel wieder deutlich Authentizität gibt. Ach ja, deutsche Bildschirmtexte gibt es trotz des Einzelhandels-Releases auch diesmal nicht, doch das sind Serienfans mittlerweile ohnehin ja nicht anders gewohnt.

Nach eurem Tod seid ihr Dagdas Willkür ausgesetzt.

Machen die ganzen Verbesserungen Apocalypse also zum „rundum besseren Shin Megami Tensei IV“? Die Antwort lautet: Fast! Denn wie schon eingangs erwähnt, hat man die ganze Zeit das Gefühl eben nur eine Nebenhandlung von Teil 1 zu spielen. Das liegt vor allem an der starken Glorifizierung des Hauptcharakters Flynn aus dem Vorgängers sowie dem relativ seelenlosen Protogonisten Nanashi. War es in Shin Megami IV noch möglich in bestimmten Fällen handlungsrelevante Entscheidungen zu treffen, werdet ihr hier trotz oftmals suggerierter Wahlmöglichkeiten zu der von eurem Lebensretter und Meister Dagda gewünschten Option gedrängt. Das soll nicht heißen, dass die Story nicht überzeugen würde, im Gegenteil, doch sie reicht innovationsmäßig einfach nicht ganz an die Vorlage heran.

Fazit
Shin Megami Tensei IV: Apocalypse ist absolutes Pflichtprogramm für alle Besitzer von Shin Megami Tensei IV. Die zahlreichen Gameplay-Verbesserungen tragen eindeutig zu einem noch gelungeneren Spielerlebnis bei. Ich hatte jedenfalls wieder viel Spaß beim Anwerben und Trainieren meiner Dämonen und auch die Story konnte mich trotz kleinerer Mankos wieder in ihren Bann ziehen. Zum ultimativen Rollenspielerlebnis hätte man dem Spiel jedoch endlich eine vollständig zeitgemäße Optik verpassen müssen. Ich empfehle zudem zunächst den Vorgänger zu spielen, um voll und ganz in die Welt von Shin Megami Tensei IV: Apocalypse eintauchen zu können.
Toll
  • fordernde Rollenspielkost, ohne dabei zu überfordern
  • verbessertes Gameplay gegenüber dem Original
  • optisch toll inszeniertes Neo-Tokio...
  • spannende Handlung...
  • Soundtrack und Sprachausgabe auf hohem Niveau
Naja
  • ohne Kenntnisse des Vorgängers etwas wirr
  • keine deutschen Texte
  • ...Kämpfe sehen aber weiterhin nicht ganz zeitgemäß aus
  • ...die aber stets im Schatten des Vorgängers wandelt
8
Sehr gut
Verfasst von
Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.

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