Conan Exiles Test

Getestet auf Xbox One S

Survival-Spiele sind in den letzten Jahren ein Trend den ich zwar stets interessiert verfolgt, aber für den ich nie wirklich die Zeit gefunden habe, um mich tiefer mit der Thematik zu befassen. Das mag zum einen daran liegen, dass der Großteil der aktiven Communities auf dem PC zu Hause ist, aber vor allem auch daran, dass es sich bei vielen dieser Spiele, wie beispielsweise Ark: Survival Evolved, lange Zeit um Early Access-Titel gehandelt hat. Auch Conan: Exiles hat sich bis vor kurzem zu dieser Kategorie gezählt – mit dem Release der Konsolenversion hat sich das aber nun geändert. Für mich der perfekte Zeitpunkt also, mir das Genre endlich genauer anzuschauen und dazu noch mit einer etablierten Marke wie Conan – Der Barbar. Was genau das Spiel auf dem Kasten hat, erfahrt ihr in meinem GU-Test!Conan Exiles begrüßt mich mit einer visuell durchaus ansprechenden CG-Sequenz, die auf der einen Seite Lust auf mehr macht, auf der anderen gleich eine seiner offensichtlichen Schwächen hervorhebt. Da ich mich nämlich wenige Augenblicke später schon im Charakter-Editor wiederfinde, ist der Kontrast zur ohnehin sehr mäßigen in-game Optik nochmal deutlich gravierender. Bei einer derart großen und zerstörbaren Spielwelt, die auch online mit mehreren Dutzend Spielern funktionieren muss, ist das aber ein Punkt, mit dem ich mich schnell arrangiert habe. Wenn das Gameplay nicht überzeugt, kann die Optik sowieso nichts mehr retten, da sich Entwickler Funcom komplett auf seine Spielmechaniken verlässt – Inszenierung oder gar eine richtige Geschichte gibt es hier nicht. Nachdem ich mir einen ohne Zweifel unattraktiven Barbaren erstellt habe, wirft mich das Spiel nach einem kurzen und eher nichtssagenden Intro direkt in die Welt, die ich als Verbannter fortan nicht mehr verlassen darf. In einer kargen Wüstenregion beginnt es dann endlich: mein großes Abenteuer, mein Kampf ums Überleben – und vor allem mein frustrierender Kampf mit Conan Exiles!

Wenn Exiles eine Sache von Beginn an richtig macht, dann ist es, das Gefühl von kompletter Hilflosigkeit zu vermitteln. Nicht nur startet man wortwörtlich nackt im Nirgendwo, nein auch eine Spieleinführung ist nicht vorhanden. Was soll ich tun? Was kann ich tun? In welche Richtung soll ich laufen? Den einzigen Anhaltspunkt den mir das Spiel liefert ist ein Tagebuch, das mit verschiedenen Einzeilern Aufgaben beschreibt wie „Klettere“ oder „Schutz suchen“ – sozusagen der Quest-Log des Spiels. Das „Was“ meiner Fragen ist damit beantwortet, aber das viel wichtigere „Wie“ muss ich trotzdem alleine herausfinden. Während ich also durch die Wüste stapfe und durch Ausprobieren versuche die Steuerung zu erlernen, bestätigt sich auch gleich eine meiner schlimmsten Befürchtungen: Neben seiner nicht gerade überwältigenden Optik, läuft das Spiel extrem instabil und hat mit zahlreichen technischen Problemen und Bugs zu kämpfen. Das beginnt bei ständigen Rucklern beim normalen Geradeauslaufen, durch die Spielwelt clippenden Figuren und Animationen, Abstürzen, plötzlich aus dem Nichts aufpoppenden Gegnern, bis hin zu Situationen, in denen sich mein Barbar in einem Baum verhakt und mir nichts weiter bleibt, als das Spiel neu zu starten. Technisch ist Conan Exiles also gefühlt noch immer im Early-Access Status, aber wie sieht es mit dem Rest aus?

Nach einiger Zeit umherwandern und dem Zerschlagen und Sammeln von etlichen Pflanzen, Steinen und Lebewesen, werfe ich einen Blick ins Menü. Immerhin geht es bei Survival-Games ja darum Gegenstände, Waffen und allen möglichen Kram herzustellen und sich so nach und nach zu verbessern. Und tatsächlich bietet Exiles eine ganze Palette an Optionen, die ich herstellen kann und die mit der Zeit und aufsteigendem Level auch stetig mit neuen Varianten erweitert werden. Schade nur, dass die Menüführung mit dem Controller ein einziger Graus ist. Hier treffen mehrfach verschachtelte PC-Menüs auf eine viel zu winzige Schrift, welche die Navigation zu einem Kampf für sich machen. Da das Spiel nichts erklärt, stoße ich erst durch Zufall auf Funktionen wie dem Schnellzugriff für Items, mit dem ich Gegenstände in einem kleinen Auswahlrad gleich zur Verfügung habe. Das Gefühl diese Dinge selbst herauszufinden ist dabei aber niemals befriedigend, sondern lediglich anstrengend, da sich kaum etwas davon intuitiv ergibt.

Wenn ich aber endlich mal genügend Items hergestellt habe, zeigen sich auch die Stärken des Spiels. Das Crafting-System wird hier nämlich kombiniert mit einem Minecraft-ähnlichen Aufbau-Part, der mir unzählige Möglichkeiten lässt, mein eigenes Haus, Grundstück oder gar komplette Festungen aus den verschiedensten Materialien zu bauen. Durch das ausknocken und Gefangennehmen von anderen Barbaren, kann ich darüber hinaus Sklaven gewinnen, die im Aufbau und der Verteidigung meines eigenen Imperiums überaus wichtig sind. Der Weg dorthin ist allerdings mühselig und oft sogar nervig. Kämpfe gegen die stumpfe KI der Wildtiere oder andere Barbaren sind absolut hölzern und das Trefferfeedback eine Qual, hat man sich hier scheinbar für eine Mischung aus aktiven Aktionen wie Schlagen und Ausweichen entschieden, gleichzeitig aber die Hit-Boxen aus typischen MMORPGs übernommen, sodass Angriffe die augenscheinlich die Figur nicht treffen sollten, trotzdem als solche zählen. Wenn ich sterbe, bleibt mein Körper an der Stelle liegen und ich verliere sämtliche gesammelten Items und Ausrüstungsgegenstände, was aufgrund der Entfernung zum letzten Spawnpunkt mehrmals zu frustigen Momenten geführt hat.

Eines der interessanteren Features ist es, dass ich überallhin klettern kann, solange es meine Ausdauerleiste mitmacht. Das eröffnet nicht nur eine wunderbare Vertikalität der Spielwelt, sondern regt auch zum Erkunden an. Da die Welt statisch und nicht zufallsgeneriert ist, gibt es einzigartige Orte wie Tempel, Wasserfälle und versteckte Höhlen sowie unterschiedliche Lebewesen zu entdecken, die mich für gewöhnlich aber immer umbringen wollen. Mit dem passenden Werkzeug oder Waffen kann ich außerdem beinahe sämtliche Objekte in der Welt zerstören bzw. sammeln wodurch ich im Handumdrehen eine flache Ebene erhalte, auf der ich beispielsweise mein Lager aufbaue.

Der Gameplay-Loop besteht im Endeffekt also darin, neue Gegenden der Welt zu erkunden, neue Gegenstände zu sammeln, aber mich immer nur so weit hineinzutrauen, dass ich es auch noch lebend zu meinem Schlafplatz zurückschaffe. Von dort dann wieder mein Grundstück weiter ausbaue oder eben an anderen Plätzen der Welt weitere Unterkünfte errichte. Durch das Erledigen all dieser Tätigkeiten erhalte ich wiederum Erfahrungspunkte, die ich in Attribute wie Stärke, Beweglichkeit oder Belastung investieren kann, während ich Talentpunkte dazu nutzen kann, um neue Rezepte und Anleitungen zu erlernen. Das Ganze geht überraschend tief und bietet so auch genügend Anreize für Spieler, denen das langatmige beschaffen der Materialien Spaß bereitet. Online bzw. auf Servern mit mehreren Spielern kann man sich darüber hinaus in Clans zusammenschließen, miteinander Ressourcen tauschen oder zusammen durch die Gegend streifen bzw. auch gegeneinander kämpfen.

Fazit
Conan Exiles ist in seinem derzeitigen Zustand kein Spiel, dass ich guten Gewissens weiterempfehlen kann. Die technischen Probleme sind noch zu gravierend und mindern den Spielspaß dadurch enorm. Hinzu kommen steife Kämpfe und ein langwieriges Progressionssystem, das zwar theoretisch genügend Komplexität für Langzeitspaß bietet, mir aber während des Spielens keinen Grund geliefert hat dranzubleiben. Für Hardcore-Survival-Veteranen, oder Leute, die gerne stundenlang Tutorials und Tipps im Internet nachlesen, bietet es dann aber immerhin genügend Stoff um sich auch länger damit auseinanderzusetzen. Das nicht vorhandene Tutorial sowie zahlreiche untererklärte Spielmechaniken tun hingegen leider ihr Übriges, um Neueinsteiger schnell zu frustrieren. Wer trotzdem genau darauf Lust hat, sollte jedenfalls noch einige Zeit warten, bis das Spiel hoffentlich irgendwann runder läuft. Generell hat Conan Exiles nämlich das Potenzial ein ordentliches Spiel zu werden, wenn es auch qualitativ in keinem Bereich wirklich hervorsticht.
Toll
  • Interessantes Bausystem
  • Vielfältige Möglichkeiten beim Herstellen
  • Mysteriöse & gefährliche Welt die zum Erkunden einlädt
Naja
  • Etliche (performance-)technische Probleme & Bugs
  • Erklärt so gut wie nichts
  • Starres Kampfsystem & schreckliches Trefferfeedback
  • Katastrophale Menüs & Textgröße
  • Hakelige Steuerung
  • Eintöniger Gameplay-Verlauf
4
Naja
Verfasst von
Für Redakteur Christoph sind vor allem gut geschriebene Charaktere, eine mitreißende Handlung sowie fantastische Welten mit dichter Atmosphäre, Aspekte die ihn beim Spielen begeistern. Neben Titeln wie The Last of Us und Bloodborne, schlägt seine Leidenschaft für Games dabei besonders für japanische Produktionen à la Final Fantasy und Persona.

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