Batman: Arkham Origins Blackgate Test

In längst vergangenen Zeiten wurden Comic-Geschichten entweder als Kinderkram oder als Nerdtum abgestempelt. Dank aufwändigen Hollywood-Verfilmungen sind Superman, Spiderman oder auch Batman aber längst aus diesem Schatten herausgesprungen. Mit den entsprechenden Videospielen verlief es ganz ähnlich. Spätestens seit Batman: Arkham Asylum ist die Ausrichtung des Flattermanns hin zu einer erwachsenen Zielgruppe nicht mehr zu leugnen. Nach zwei erfolgreichen Konsolen-Teilen folgt neben einem dritten erstmals auch eine eigenständige Version für die aktuellen Handhelds. Aber macht Batman auch auf den Mini-Bildschirmen eine gute Figur?

Ein listiges Kätzchen
Es hätte so schön sein können: Nachdem Batman alias Bruce Wayne mit der Festnahme der wichtigsten Verbrecherbanden für Recht und Ordnung in Gotham City gesorgt hat, scheint der Frieden der Stadt auf den ersten Blick gewahrt zu sein. Doch eines Nachts taucht plötzlich eine geheimnisvolle Diebin im Katzenkostüm auf. Batman macht sich natürlich sofort auf den Weg, um die mysteriöse Catwoman zur Rechenschaft zu ziehen. Bereits in diesem Tutorial-Level geht es gleich zur Sache. In zweidimensionalen 3D-Arealen hangelt sich Batman mittels seines Greifhakens von einer Wand zur nächsten. In manchen Abschnitten stellen sich ihm einige Polizisten in den Weg, welche ebenfalls auf der Suche nach der listigen Mieze sind. Glücklicherweise beherrscht Batman eine asiatische Kampfkunst, mithilfe derer er es auch mit mehreren Gegnern gleichzeitig aufnehmen kann. Anders als in anderen 2D-Action-Adventures erfolgen die Aktionen jedoch leicht verzögert. Im Klartext heißt das, dass beim ein- oder mehrmaligen Betätigen des Angriffsknopfes eine Sequenz in Matrix-Manier abläuft, in der eure Schläge und Tritte ausgeführt werden. Dadurch ziehen sich die Kämpfe teilweise leider unnötig in die Länge.

Diesmal zieht es Batman in die dunklen Gefängnismauern von Blackgate.

Diesmal zieht es Batman in die dunklen Gefängnismauern von Blackgate.

Mit dem Ausschalten von Catwoman offenbart sie Batman jedoch eine weitaus größere Gefahr. In Blackgate, dem größten Gefängnis in Gotham City, schmieden Batmans designierte Widersacher nämlich bereits Pläne um aus dem Gefängnis auszubrechen und erneut die Herrschaft über Gotham an sich zu reißen. Catwoman bietet euch für Kampf gegen Pinguin, Black Mask und den Joker überraschenderweise ihre Hilfe an. Batman lässt sich auf den Deal ein und sieht gleich nach dem Rechten. Damit beginnt der eigentliche Teil des Spiels. Um dem Spiel ein wenig die Linearität zu rauben, habt ihr die Wahl in welchen Teil von Blackgate ihr euch zuerst begebt, um dem jeweiligen Bösewicht einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Metroid trifft auf Zelda trifft auf Metal Gear
Ganz egal, welchen der drei Schurken ihr als erstes in Angriff nehmt. Essentiell bei den weiteren Erkundungen ist und bleibt das genaue Untersuchen eurer Umgebung. Tippt und haltet ihr das Batman-Logo in der rechten unteren Ecke des Touchscreens gedrückt, seid ihr in der Lage einzelne Objekte genauer unter die Lupe zu nehmen. Ähnlich wie in den Metroid Prime-Spielen erhaltet ihr so durch das Scannen nähere Informationen und Hinweise, an welchen Stellen ihr eine von Batmans Fähigkeiten nutzen solltet, um weiter voranzukommen. Da wären beispielsweise Schächte, die sich durch den Einsatz von Wurfsternen öffnen lassen. Nebenbei erkennt ihr in diesem Modus auch das Sichtfeld der zahlreichen Schergen der Oberschurken. Das erlaubt euch beispielsweise geschickt an Gegnern vorbei zu schleichen oder sie ganz einfach durch einen Würgegriff von hinten außer Gefecht zu setzen. Besonders bei Gegnern mit schweren Geschützen ist diese Taktik mehr als hilfreich, denn Batmans Brustpanzer hat Feuerwaffen, wie Maschinengewehren nur recht wenig entgegenzusetzen, sodass ihr bei einer weniger hinterhältigen Strategie schnell den Kürzeren zieht und den virtuellen Bildschirmtod riskiert. Ja, auch dieses Element dürfte Spielern der Metal Gear-Reihe recht bekannt vorkommen. Glücklicherweise ist Arkham Origins Blackgate aber sehr fair bei der Gestaltung der Speicher- bzw. Rücksetzpunkte und ihr müsst nach Batmans Ableben nicht erneut weite Strecken auf euch nehmen.

Tunnelschächte eignen sich perfekt zur unbemerkten Fortbewegung.

Tunnelschächte eignen sich perfekt zur unbemerkten Fortbewegung.

Der Detektiv-Modus mag ja gut gemeint sein, allerdings bleibt das Spielgeschehen bei seiner Verwendung nicht stehen. Wollt ihr also inmitten einer Gegnerhorde eure Umgebung scannen, seid ihr Angriffen schutzlos ausgeliefert. Auch wirkt die Nutzung teils sehr aufgesetzt, sodass der Spielfluss beträchtlich gestört wird. Wer hat schon große Lust, alle fünf Sekunden zwischen Touchscreen und Schiebepad hin- und her zu wechseln? Wir jedenfalls nicht. Völlig unerheblich ist auch die Reihenfolge der Gefängnisbereiche nicht. Das fällt euch meistens erst dann auf, wenn auch die Verwendung aller Gadgets von Batman nicht mehr weiterhilft. In diesem Fall solltet ihr den Bereich zunächst verlassen, um in einem der anderen Bereiche nach neuen Hilfswerkzeugen zu suchen. Die Zelda-Reihe lässt ganz offensichtlich an dieser Stelle grüßen.

Packende Bosskämpfe
Verlaufen die hauptsächlichen Spielpassagen größtenteils nach ein und demselben Muster, sieht dies in den Bosskämpfen deutlich anders aus. Die Armature Studios haben sich für diesen Teil des Spiels merklich die größte Mühe gegeben. Neben klassischen Eins-gegen-Eins Kämpfen in ausweglosen Arenen, dürft ihr aus der Sicht eines Profi-Scharfschützen vor seinem Zielfernrohr flüchten oder lockt helfende Schergen durch geschickte Ablenkmanöver von dem eigentlichen Schurken weg, damit Batman ihn sich persönlich vornehmen kann. Einziges Manko hierbei ist die Tatsache, dass der entsprechende Lösungsweg manchmal nicht ganz ersichtlich ist, sodass nach dem zehnten Versuch schnell Frustration aufkommen kann.

Die Bosskämpfe sind sehr abwechslungsreich. Hier reicht jedoch reine Muskelkraft.

Die Bosskämpfe sind sehr abwechslungsreich. Hier reicht jedoch reine Muskelkraft.

Why so serious?
Auf der technischen Seite ist Arkham Origins Blackgate leider eher enttäuschend. Während die matschigen Texturen und die hässlichen 3D-Charaktermodelle in den Erkundungspassagen durch die Weitansicht nicht sonderlich auffallen, fällt dies in den Kampfszenen, in denen das Geschehen nah an Batman heranzoomt, sehr stark ins Gewicht. Selbst zu N64-Zeiten wären schönere Charaktermodelle möglich gewesen. Davon abgesehen wirken die Gemäuer von Blackgate ohnehin auch von weitem recht trist und grau. Ein bisschen mehr Abwechslung im Landschaftsdesign oder der Farbpalette hätte sicher nicht geschadet. Einzig und allein die gelungenen Zwischensequenzen im Comic-Look runden den optischen Gesamteindruck ab. Viel an melodischer Untermalung gibt es in Arkham Origins Blackgate nicht. Die meisten Passagen werden von eher dezenten Klängen begleitet oder gar nur von einem Windheulen. Akustische Unterstützung erfolgt aber in Form der wirklich herausragenden Sprachausgabe im Spiel. Batman, Joker, Pinguin und Co. sprechen zwar im Gegensatz zu den Konsolen-Spielen zwar leider nur mit ihren englischen Stimmen, doch dafür ist die Leistung der ausgewählten Sprecher mehr als gut und wirkt überzeugend.

Fazit
Für Batmans ersten Ausflug auf einem Handheld seit drei Jahren – denn der letzte Batman-Handheld-Titel war Batman: The Brave and the Bold auf dem Nintendo DS – ist Batman: Arkham Origins wirklich gut geworden. Man merkt an einigen Ecken, dass Mark Pacini, welcher bereits an der Metroid Prime-Reihe arbeitete, auch hier seine Finger im Spiel hatte. Es macht einfach Spaß Blackgate zu erkunden und dabei selbst neue Wege zu entdecken oder Gegner in Stealth-Manier aus dem Weg zu räumen und die tolle Sprachausgabe haucht dem Spiel mehr Leben ein. Bedauerlicherweise trüben manche Gameplay-Entscheidungen – allen voran der teils sehr lästige Detektiv-Modus – das Spielerlebnis recht massiv. Auch optisch besteht für 3DS-Verhältnisse noch viel Potenzial nach oben. Für ein Vollpreisspiel ist die Spielzeit außerdem etwas kurz und freizuschaltende Inhalte wie Bildergalerien sind zwar ebenfalls nett gemeint, motivieren aber nicht gut genug, um den dauerhaften Spielspaß beträchtlich zu erhöhen. Wir hoffen, dass sich die Armature Studios diese Kritik für ihre zukünftigen Titel zu Herzen nehmen, denn dann stünde einem hochwertigen portablen Batman-Spiel nicht viel im Wege.
Toll
  • interessante Handlung
  • Erkundung von Blackgate motiviert
  • stylische Zwischensequenzen...
  • tolle Sprachausgabe...
  • abwechslungsreiche Bosskämpfe
Naja
  • Touchscreen-Einsatz behindert Spielfluss
  • mäßiges Kampfsystem
  • ...aber schwache Ingame-Grafik
  • ... jedoch nur auf Englisch
  • kurze Spielzeit
7
Gut
Verfasst von
Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.

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